Konzeption des Waldkindergarten Traunstein e. V.

  1. Beschreibung des Waldkindergartens

  2. Geschichte

  3. Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung (§ 8a SGB VIII)

  4. Leitbild
    4.1  Bild des Kindes
    4.2  Entwicklung des Kinderspiels

  1. Rahmenbedingungen

  2. Ausrüstung
    6.1 Bauwagen und Holzhütte
    6.2. Ausrüstung der Kinder

  3. Erziehungsziele
    7.1  Basiskompetenzen
    7.2  Bildungsbereiche/Ziele –
           wie setzen wir sie im Waldkindergarten um?
    7.3  Kindbeteiligung

  1. Tagesablauf

  2. Schwerpunkte unserer pädagogischen Arbeit
    9.1  Bewegung
    9.2  Naturerfahrung und Umwelterziehung
    9.3  Soziales Lernen/Sprache
    9.4  Naturhandwerk
    9.5  Pädagogischer Schwerpunkt der Spielgruppe

  1. Elternarbeit

  2. Schulvorbereitung

  3. Zusammenarbeit mit der Grundschule

  4. Gefahrenquellen im Wald

  5. Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen

  6. Veranstaltungen – Sie sind herzlich eingeladen!

  7. Danksagung

1. Beschreibung des Waldkindergartens

Ein Waldkindergarten ist ein Kindergarten „ohne Tür und Wände“. Das heißt, es gibt kein festes Haus, sondern die Kinder sind bei jedem Wetter im Wald.

In einer Waldkindergruppe werden in der Regel ca. 20 Kinder 4 bis 6 Stunden lang von einer Erzieherin, einer Kinderpflegerin und einem/r Praktikanten/in betreut. Die Kinder bewegen sich jeden Tag in einem klar umgrenzten Waldstück, in dem es bestimmte Wege und Plätze gibt, die regelmäßig aufgesucht werden. Der Tagesablauf unterliegt einer festen Struktur mit immer wiederkehrenden und wie auch freien Elementen.

Bei sehr schlechtem Wetter können die Kinder ihre Brotzeit im Bauwagen machen oder sich dort zum Malen, Spielen etc. Außerdem steht ihnen ein Winterraum außerhalb des Waldes zur Verfügung, den sie nach Bedarf nutzen können. Im Wald finden die Kinder kein vorgefertigtes Spielzeug vor und doch oder gerade deshalb bauen sich die Kinder aus Naturmaterialien phantastische Spielwelten auf.

 

2. Geschichte

Die Idee des Waldkindergartens stammt aus Dänemark. Dort existiert er seit mehr als 30 Jahren. In Deutschland gibt es derzeit über 1000 (Stand 2012) Waldkindergärten und Waldkindergarteninitiativen. Acht Waldkindergärten mit staatlicher Anerkennung bestehen derzeit im Landkreis Traunstein. Erweitert wird das Angebot der Kinderbetreuung im Landkreis durch privat finanzierte Waldspielgruppen. Regelkindergärten greifen die positiven Aspekte der Waldkindergartenidee in Waldprojekten auf.

 

Jahr 2000

Aufgrund einer Initiative von Katharina Stadler fanden sich im November 2000 zehn Kinder zu einer 2-Tages-Waldspielgruppe zusammen. Die Erzieherin Andrea Demmelmair ging mit den Kindern zweimal wöchentlich in den Traunsteiner Staatsforst. Dank des Försters Herrn Fischer konnte die Gruppe auf eine kleine, kindgerecht ausgestattete Waldhütte zurückgreifen.

 

Jahr 2001

Im März 2001 wurde von allen interessierten Eltern der Spielgruppe ein Verein gegründet, der es sich zum Ziel machte, die Trägerschaft eines künftigen Waldkindergartens zu übernehmen und die Anerkennung des Waldkindergartens entsprechend dem Bayerischen Kindergartengesetz voranzutreiben. Für alle Beteiligten war es ein Wagnis, sich für den Waldkindergarten ab dem neuen Kindergartenjahr zu entscheiden, da die Finanzierung einer 5-Tages-Gruppe noch nicht gesichert war.

Dank einer finanziellen Einlage der Eltern wurde es möglich, einen Bauwagen anzuschaffen. Es erfolgte ein Ortswechsel in den Traunsteiner Bürgerwald, wodurch der Kindergarten von Traunstein aus leichter erreicht werden konnte. Anfang September 2001 starteten wir schließlich mit 13 Kindern den 5-Tages-Betrieb. Die Anerkennung wurde - mit einiger Verspätung - im Oktober 2001 ausgesprochen. Zeitgleich wurde ab September 2001 Erzieherin Sibylle Widmayr als Leiterin der Spielgruppe und Eva Hogger als Zweitkraft angestellt.

 

Jahr 2002 -2005

Die Zahl der Waldkinder erhöhte sich auf 18. Ab September 2005 übernahm die Erzieherin Frau Sibylle Widmayr die Leitung der 5-Tages-Gruppe. Außerdem wurden die bestehenden Bauwägen von den Eltern komplett neu renoviert.

 

Jahr 2006 - 2008

Ab September 2006 gilt auch für den Traunsteiner Waldkindergarten das neue Bayrische Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz (BayKiBig). Es änderten sich die Öffnungszeiten und die Kindergartenbeiträge, die Anzahl der Kinder erhöhte sich auf 20. Erstmalig startete im Herbst eine 3 Tages Gruppe mit 14 Kindern.

 

Jahr 2009 – 2012

Der Waldkindergarten ist ein fester Bestandteil des Traunsteiner Kindergartenangebotes. Die Kinderbetreuungszahl stieg auf 22. Die Außenfassade des Bauwagens wurde 2009 komplett neu gestaltet.

 

Seit 2012

Im September 2012 übernahm die Spielgruppenleitung Anett Thiering eine weitere Kindergartengruppe mit 14 Kindern. Für die zweite 5-Tages-Gruppe wurde im Frühjahr 2014 eine Holzhütte als Unterschlupf errichtet. Die Kinderbetreuungszahl liegt derzeit bei 38 Kindern in zwei gleich großen Gruppen.

 

 

3. Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung § 8a

(1) Werden dem Jugendamt gewichtige Anhaltspunkte für die Gefährdung des Wohls eines Kindes oder Jugendlichen bekannt, so hat es das Gefährdungsrisiko im Zusammenwirken mehrerer Fachkräfte einzuschätzen. Soweit der wirksame Schutz dieses Kindes oder dieses Jugendlichen nicht in Frage gestellt wird, hat das Jugendamt die Erziehungsberechtigten sowie das Kind oder den Jugendlichen in die Gefährdungseinschätzung einzubeziehen und, sofern dies nach fachlicher Einschätzung erforderlich ist, sich dabei einen unmittelbaren Eindruck von dem Kind und von seiner persönlichen Umgebung zu verschaffen. Hält das Jugendamt zur Abwendung der Gefährdung die Gewährung von Hilfen für geeignet und notwendig, so hat es diese den Erziehungsberechtigten anzubieten.

 

(2) Hält das Jugendamt das Tätigwerden des Familiengerichts für erforderlich, so hat es das Gericht anzurufen; dies gilt auch, wenn die Erziehungsberechtigten nicht bereit oder in der Lage sind, bei der Abschätzung des Gefährdungsrisikos mitzuwirken. Besteht eine dringende Gefahr und kann die Entscheidung des Gerichts nicht abgewartet werden, so ist das Jugendamt verpflichtet, das Kind oder den Jugendlichen in Obhut zu nehmen.

 

(3) Soweit zur Abwendung der Gefährdung das Tätigwerden anderer Leistungsträger, der Einrichtungen der Gesundheitshilfe oder der Polizei notwendig ist, hat das Jugendamt auf die Inanspruchnahme durch die Erziehungsberechtigten hinzuwirken. Ist ein sofortiges Tätigwerden erforderlich und wirken die Personensorgeberechtigten oder die Erziehungsberechtigten nicht mit, so schaltet das Jugendamt die anderen zur Abwendung der Gefährdung zuständigen Stellen selbst ein.

 

(4) In Vereinbarungen mit den Trägern von Einrichtungen und Diensten, die Leistungen nach diesem Buch erbringen, ist sicherzustellen, dass

1. deren Fachkräfte bei Bekanntwerden gewichtiger Anhaltspunkte für die Gefährdung eines von ihnen betreuten Kindes oder Jugendlichen eine Gefährdungseinschätzung vornehmen,

2. bei der Gefährdungseinschätzung eine insoweit erfahrene Fachkraft beratend hinzugezogen wird sowie

3. die Erziehungsberechtigten sowie das Kind oder der Jugendliche in die Gefährdungseinschätzung einbezogen werden, soweit hierdurch der wirksame Schutz des Kindes oder Jugendlichen nicht in Frage gestellt wird.

In die Vereinbarung ist neben den Kriterien für die Qualifikation der beratend hinzuzuziehenden insoweit erfahrenen Fachkraft insbesondere die Verpflichtung aufzunehmen, dass die Fachkräfte der Träger bei den Erziehungsberechtigten auf die Inanspruchnahme von Hilfen hinwirken, wenn sie diese für erforderlich halten, und das Jugendamt informieren, falls die Gefährdung nicht anders abgewendet werden kann.

 

(5) Werden einem örtlichen Träger gewichtige Anhaltspunkte für die Gefährdung des Wohls eines Kindes oder eines Jugendlichen bekannt, so sind dem für die Gewährung von Leistungen zuständigen örtlichen Träger die Daten mitzuteilen, deren Kenntnis zur Wahrnehmung des Schutzauftrags bei Kindeswohlgefährdung nach § 8a erforderlich ist. Die Mitteilung soll im Rahmen eines Gespräches zwischen den Fachkräften der beiden örtlichen Träger erfolgen, an dem die Personensorgeberechtigten sowie das Kind oder der Jugendliche beteiligt werden sollen, soweit hierdurch der wirksame Schutz des Kindes oder des Jugendlichen nicht in Frage gestellt wird.

 

 

4. Leitbild (Selbstverständnis)

 

4.1 Bild des Kindes

Wir sehen Kinder als selbstbestimmte, selbsttätige, soziale Wesen. Sie eignen sich Können und Wissen durch eigenständiges Handeln und Tun an.

Wir wollen die Kinder dabei unterstützen, indem wir Impulse geben und Lernprozesse begleiten. Um die Eigenaktivität und die Selbstgestaltung der Kinder zu fördern, ist es uns wichtig, im Kindergarten eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich jedes einzelne Kind angenommen und wohl fühlt.

Bild des Erwachsenen

Natürlich lernen Kinder wie überall auch durch das Vorbild der Erwachsenen. Unsere Pädagogik ist geleitet von persönlicher Wertschätzung jedes einzelnen. Dies drückt sich zum einen in der vorgelebten und auch von den Kindern geforderten Art der Gesprächsführung aus. Zum anderen achten wir darauf, jedem Kind die erforderliche liebevolle und interessierte Zuwendung zu schenken. Die Kinder finden bei uns Betreuungspersonen lenkende und unterstützende Hilfe, ihr Verhalten an die verschiedenen Bedürfnisse in der Gruppe anzupassen.

Nicht nur die Kinder lernen von uns Erwachsenen, sondern auch wir Erwachsene wollen unvoreingenommen und offen sein, um mit den Kindern und von den Kindern zu lernen.

Kind in der Natur

Je jünger ein Kind ist, desto mehr ist es noch mit der Natur verbunden und kann mit ihr „verschmelzen“. Es identifiziert sich total mit der natürlichen Umgebung - beide bilden eine Einheit. Aus dieser Einheit heraus, können Kinder ihre momentanen Bedürfnisse intensiver wahrnehmen, ihnen nachgehen, sie ausleben. Vor allem für die Bewegung, die so wichtig für das Lernen ist, haben wir im Wald genügend Platz und Zeit. Im Waldkindergarten haben Kinder die Möglichkeit, durch die Verbindung von Natur, Bewegung und Spiel ausgeprägte Sinneserfahrungen zu machen.

Kind und Spiel

Da wir das kindliche Spiel keineswegs nur als Zeitvertreib, sondern als Lern- und Entwicklungsfeld, Ausdrucks- und Verarbeitungsmöglichkeit für das Kind sehen, messen wir ihm eine wichtige Bedeutung in unserer pädagogischen Arbeit zu.

 

4.2 Entwicklung des Kinderspiels (Spiel-Stufen)

UR-SPIEL

Spiele der Kinder in und mit der lebendigen Natur, Verwendung von unbearbeiteten Nat-Ur-Materialien, Freies Spielen der Kinder ohne Vorgaben durch Erwachsene, Spielgeräte werden von den Kindern selbst erschaffen.

MECHANIK-SPIEL

Spiele der Kinder im Wohnbereich und zum Teil in der Natur, Herstellung der Spielgeräte durch Kinder und Erwachsene, Spielmaterialien von der Natur und Technik (Holz, Metall,...).

TECHNIK-SPIEL

Spiele der Kinder im Wohnbereich und nicht kindgerechten Wohnumfeld, Straße und Spielplatz. Spielgeräte werden von unbekannten Erwachsenen hergestellt – mit viel Technik und wenig Entfaltungsmöglichkeiten für Kinder. Das Spielgerät bekommt einen Motor. Die Spiele der Kinder werden durch Erwachsenen vorgegeben.

MEDIEN-SPIEL

Spiele der Kinder sind ohne Menschen- und Naturbezug. Der Spielort ist der Wohnbereich oder die Medien. Spielgeräte sind für die Kinder nicht BEGREIFBAR.
Das Spiel der Kinder als Zugang zu Mensch und Natur löst sich auf – das Lebendige ist nicht mehr vorhanden.

(Rudolf Hettich Gesellschaft für Natur- und Umwelterziehung e. V.)

Unzählige Generationen spielten Kinder ohne Vorgaben von Erwachsenen in und mit der lebendigen Natur. Im letzten Jahrhundert hat sich das Spiel der Kinder jedoch immer weiter von der Natur entfernt. Technik-Spiel und Medien-Spiel sind stark in den Vordergrund getreten. Die Möglichkeiten und der Raum für das Ur-Spiel werden immer weniger. Damit einher geht der Verlust der Kreativität und Fantasie, Kinder können Dinge nicht mehr begreifen. Spiel erfährt eher den Wert als Konsumgut und die Kinder erleben sich dabei immer weniger als Handelnde (Kinder verlieren ihre Spielfähigkeit). Im Waldkindergarten versuchen wir dieser Entwicklung entgegen zu wirken und bieten Kindern mit Hilfe der natürlichen Umgebung des Waldes den optimalen Rahmen, in dem das „Nat-Ur-Spiel“ wieder stattfinden kann/darf!

 

 

5. Rahmenbedingungen

 

Träger

Erzähle mir,
und ich vergesse. Zeige mir,
und ich erinnere mich. Lass mich tun,
und ich verstehe.

(Konfuzius)

Die Trägerschaft des Waldkindergartens obliegt dem gemeinnützigen Verein Waldkindergarten Traunstein e.V., dessen Mitglieder Eltern der Waldkinder sind. Erwachsen aus dem Engagement von Müttern und Vätern wirken die Eltern des Waldkindergartens sehr aktiv in den verschiedenen Bereichen des Kindergartenlebens mit. In regelmäßigen Teamsitzungen von Erzieherinnen und Vorstand werden inhaltliche und organisatorische Punkte miteinander abgesprochen (z. B. Urlaubs- bzw. Ferienzeiten, Fortbildungen etc.).

 

Elternmitarbeit

Ein fester Bestandteil der Elternmitarbeit ist der „Elterndienst“. Die Aufgaben des Elterndienstes im wöchentlichen Wechsel: Wasser zum Händewaschen mitbringen, Wochenhandtücher waschen, Bauwagen putzen, Tee kochen im Winter.

Jeder kann und darf sich noch zusätzlich mit eigenem Können miteinbringen, zum Beispiel bei der Bauwageninstandhaltung und der Öffentlichkeitsarbeit. Zudem gibt es auch noch einen Elternbeirat, der am Anfang des Kindergartenjahres von den Eltern gewählt wird. Der Elternbeirat besteht aus mindestens 4 bis maximal 8 Mitgliedern und trifft sich in regelmäßigen Sitzungen mit den Erzieherinnen.

 

Lage

Der Waldkindergarten befindet sich im Bürgerwald um den so genannten „Sparzer Graben“ im Osten der Stadt Traunstein. Die Bauwägen stehen an einem städtischen Lagerplatz und sind leicht zu erreichen. Trotz der geringen Entfernung zur Stadt handelt es sich um einen ruhigen und idyllischen Ort. Der Wald ist ein lockerer Mischwald, der sich zum Bach des Sparzer Grabens hinunterzieht.

 

Anfahrtsbeschreibung

Man fährt auf der Scheibenstraße stadtauswärts an der Feuerwehr vorbei über die Traunbrücke. In der scharfen Rechtskurve, die zur B304 hinunterführt, muss man geradeaus Richtung Knappenfeld / Neukirchen abzweigen. Der Weg führt den steilen Berg hinauf durch den Wald. Am Ende des Waldes vor den großen, freien Wiesen biegt man rechts in eine Forststraße ab. Nach ca. 20 Metern befindet sich auf der linken Seite eine Parkmöglichkeit. Von dort führt ein Rindenmulchweg durch den Wald direkt bis zu den Bauwägen.

 

Gruppen des Kindergartens

Der Waldkindergarten verfügt seit September 2012 über zwei Kindergartengruppen, welche fünftägig stattfinden. Die Kindergartengruppen bieten Gruppenplätze für insgesamt 41 Kinder an.

Buchungszeiten: 7.45 Uhr – 12.30 Uhr ( 4 - 5 Stunden) 7.45 Uhr – 13.15 Uhr ( 5 - 6 Stunden)

Kernzeit: 8.15 Uhr – 12.15 Uhr
In der Kernzeit sollten alle Kinder der Gruppe anwesend sein.

Beide Gruppen bieten die Möglichkeit für verschiedene Praktika an.

 

Spielgruppe

Wenn der Frühling im Wald wieder Einzug hält, eröffnet auch unsere Spielgruppe. Sie findet 2-tätig für 2,5 Stunden am Nachmittag statt und beginnt ab Mitte März bis Ende des Schuljahres. Geleitet wird die Spielgruppe von einer Erzieherin, unterstützt wird diese durch eine Erzieherpraktikantin oder einer Praktikantin in Anerkennungsjahr.

 

Aufnahmekriterien

Die 5-Tages-Gruppen bieten Plätze für 18 – 20 Kinder. Dabei gelten folgende Aufnahmekriterien, das Kind sollte:

 

  • 3 Jahre alt sein,
  • nach Möglichkeit aus dem Stadtgebiet Traunstein stammen (es können auch Ausnahmen gemacht werden)  bereits sauber sein (keine Wickel-Kinder) 

 

Bei der Einteilung wird Wert darauf gelegt, die Gruppen möglichst altersheterogen und ausgewogen geschlechtsgemischt zusammen zu stellen.
Aufnahmebedingungen bei der 2-Tages-Waldspielgruppe ist die Vollendung des 3. Lebensjahres bis zum Sommer des jeweiligen Jahres.

 

 

6. Ausrüstung

 

6.1. Bauwagen und Holzhütte

Zu unserem Waldkindergarten gehören zwei Bauwägen (aneinandergedockt) und eine Holzhütte, die jeweils von einer Kindergartengruppe genutzt werden können. Die Anschaffung und Ausstattung von Bauwagen und Holzhütte wurden größtenteils durch Spenden und Gelder der Stadt Traunstein finanziert. Durch die aktive Mitarbeit der Eltern konnten die Bauwagen und die Holzhütte kindgerecht ausgestattet und mit einer ansprechenden Verkleidung versehen werden.

Jeweils ein Teil der Räumlichkeiten dient als Garderobe, der andere als Gruppen- bzw. Aufenthaltsraum. Im Garderobenteil hat jedes Kind seinen festen Platz mit eigenem Haken und einer Kiste für die Hausschuhe bzw. für die schmutzige Kleidung. Im Gruppenraum befinden sich Kindertische, Stühle bzw. Bänke, eine Kuschelecke, ein Gasherd zum Kochen sowie Regale für Bücher, Spiele, Geschirr und verschiedene Materialien. Bauwagen und Holzhütte besitzen eine Gasheizung, die mit einem Sicherheitsgitter umgeben ist. Bei sehr schlechtem Wetter können die Kinder dort malen und basteln, Bilderbücher anschauen und essen.

Winterraum

Der Winterraum des Waldkindergartens befindet sich in der Musikschule Traunstein. Diesen besuchen wir bei extremer Kälte im Winter, Gewitter, anhaltendem Regen, starkem Wind oder Sturm, sowie bei Waldarbeiten, die eine Gefährdung der Kinder bedeuten würden.

Immer mit dabei - der Leiterwagen

Während unserer Zeit im Wald benötigen wir eine kleine Grundausrüstung, die in unserem Leiterwagen Platz findet:

 

  • Handy und T elefonliste
  • Erste-Hilfe-Kasten
  • Zeckenzange
  • Schaufel und Klopapier
  • Wechselwäsche
  • Wasser, Lavaerde und Handtuch
  • Im Winter: warmen Tee
  • Sägen, Töpfe, Seile, Schnitzmesser (bei trockenem Wetter), Bestimmungsbücher, Material für Angebote

 

 

6.2. Ausrüstung der Kinder

Unser Grundsatz für den täglichen Aufenthalt im Wald lautet: Es gibt kein schlechtes Wetter - nur schlechte Kleidung! An Ausstattung benötigt jedes Kind einen Rucksack mit Brustgurt, in dem sich ein isolierendes Sitzkissen befindet, eine gesunde Brotzeit und eine unzerbrechliche Trinkflasche, im Winter einen Becher für den Tee. Wichtig für die Kinder ist die Waldbekleidung. Im Winter ist der sogenannte Zwiebellook am Besten, d.h. mehrere Schichten an Kleidung übereinander, die je nach Temperatur ausgezogen werden können, warme möglichst wasserfeste Stiefel, ein zweites Paar warme Handschuhe, ein Paar Fingerhandschuhe für die Brotzeit und Handwärmer. Im Sommer bequeme, dünne lange Hosen, langärmeliges T-Shirt, feste Schuhe, Kopfbedeckung (evtl. Mütze mit Nackenschutz), Gummihose, Regenjacke, wasserdichte Schuhe bzw. Gummistiefel, lange Matschhandschuhe. Wir empfehlen: Eincremen gegen Zecken und Mücken!

 

 

 

7. Erziehungsziele

 

7.1 Basiskompetenzen

Seit dem 1. August 2005 gibt es ein neues Gesetz für Kindertageseinrichtungen, das „Bayrische Kinderbildungs- und -Betreuungsgesetz" (BayKiBig). Es löst das alte „Bayrische Kindergartengesetz" (BayKig) ab. Mit diesem neuen Kindertagesstättengesetz werden die Ziele des „Bayrischen Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder in Tageseinrichtungen bis zur Einschulung" (BEP) für die pädagogische Arbeit im Kindergarten verbindlich. Im Mittelpunkt des „BEP" steht das Kind mit seinen Bedürfnissen und Interessen. Das oberste Ziel ist die Förderung der Basiskompetenzen. Als Basiskompetenzen werden grundlegende Fähigkeiten und Fertigkeiten bezeichnet, die das Kind in die Lage versetzen, sich den Herausforderungen der Zukunft zu stellen und ein Leben lang zu lernen

 

  • Förderung der Entwicklung der Persönlichkeit
  • Entwicklung von Werten und Orientierungsfähigkeit
  • Erwerb von sozialen, emotionalen, kognitiven und physischen Kompetenzen 
  • Lernen lernen
  • Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme sowie zur aktiven Beteiligung an Entscheidungen
  • Entwicklung von Widerstandsfähigkeit

 

Die Förderung der Basiskompetenzen geschieht durch unsere pädagogische Arbeit in ausgewählten Bildungsbereichen.

 

7.2 Bildungsbereiche/Ziele - wie setzen wir sie im Waldkindergarten um?

Ethische und religiöse Bildung und Erziehung

Kinder sollen lernen, in Achtung vor religiöser Überzeugung zu leben, eine eigene, von Nächstenliebe getragene christliche oder weltanschauliche Identität entwickeln und Mitverantwortung für die Gestaltung des gemeinsamen Lebensalltags zu tragen. Sie erfahren wesentliche Elemente der christlich-abendländischen Kultur.

 

So machen wir es im Waldkindergarten:
  • wir feiern der Feste im Jahreskreis (St. Martin, Weihnachten, Ostern, ...) 
  • bewusster Umgang mit Lebensmitteln und Natur
  • Gebete und Lieder zur Brotzeit
  • Spiele zum Einüben von Regeln und Frustrationstoleranz

 

Sprachliche Bildung

Durch vielfältige Anregungen im sprachlichen Bereich entwickeln die Kinder Sprechfreude. Sie werden motiviert und befähigt, Gefühle und Bedürfnisse sprachlich auszudrücken, sprachbezogene Konfliktlösungs- und Verhandlungsstrategien zu entwickeln und aktives Zuhören zu lernen. Der bayerische Dialekt wird gefördert und gepflegt.

 

So machen wir es im Waldkindergarten:

 

  • Geschichten vorlesen
  • Märchenerzählungen
  • Raum und Zeit für Gespräche (Dialekt und Schriftdeutsch)
  • spielzeugfreier Kindergarten: Notwendigkeit zum sprachlichen Austausch 
  • ausreichend Bewegung (regt das Sprachzentrum an)

 

Mathematische Bildung

Die Kinder lernen den Umgang mit Formen, Mengen und Zahlen sowie mit Raum und Zeit. Erster Umgang mit Geld, Erkennen von Gewichten und Einblick in wirtschaftliche Zusammenhänge gehören ebenfalls zur Zielsetzung im mathematischen Bereich.

 

So machen wir es im Waldkindergarten:

 

  • tägliches Zählen im Morgenkreis
  • messen und wiegen beim Backen und Kochen
  • legen, stellen und entdecken von Formen in der Natur
  • Erfahrungen machen mit Zeit und Entfernungen durch die feste Struktur des Tagesablaufs und den täglichen Aufenthalt im freien Gelände

 

Naturwissenschaftlich — technische Bildung

Kinder sollen lernen, naturwissenschaftliche Zusammenhänge zu verstehen. Sie beobachten Vorgänge in der Umwelt und leiten daraus Fragen ab. Kurz- oder längerfristige Veränderungen in der Natur werden beobachtet, verglichen und beschrieben. Zur naturwissenschaftlich-technischen Bildung im Waldkindergarten gehört es auch, den sachgerechten Umgang mit Werkzeugen zu üben und Experimente durchzuführen.

 

So machen wir es im Waldkindergarten:

 

  • Wetter beobachten und dokumentieren
  • Experimente zur belebten und unbelebten Natur
  • Naturhandwerk (sägen, schnitzen)
  • Naturmaterial sammeln, vergleichen, sortieren und beschreiben
  • Aufenthalt in der Natur zu allen Jahreszeiten

 

Umweltbildung- und Erziehung

Durch den täglichen Aufenthalt in der Natur lernt das einzelne Kind, die Umwelt mit allen Sinnen zu erfahren und ökologische Zusammenhänge zu erkennen und zu verstehen. Es entwickelt Verantwortungsbewusstsein für die Natur und ist bemüht, auch in Zusammenarbeit mit anderen, die Umwelt zu schützen und zu erhalten.

 

So machen wir es im Waldkindergarten:

 

  • täglicher Aufenthalt im Wald
  • Pflanzen und Tiere bestimmen und beobachten
  • Kochen mit Dingen, welche die Natur uns bietet
  • Weitere Ausführungen zu diesem Punkt finden Sie im Kapitel: „Schwerpunkte unserer pädagogischen Arbeit".

 

Informationstechnische Bildung, Medienbildung- und Erziehung

Kinder sollen die Bedeutung und Verwendungsmöglichkeiten von informationstechnischen Geräten und Medien, die wir auch im Waldkindergarten verwenden können, kennenlernen.

 

So machen wir es im Waldkindergarten:

 

  • Besuch einer Bücherei oder Buchhandlung
  • Umgang mit dem CD-Player

 

Ästhetische, bildnerische und kulturelle Bildung und Erziehung

Die Wahrnehmung der Umwelt in ihren Farben, Formen und Ästhetik bietet den Kindern viele Anreize, die sie schöpferisch und kreativ gestalterisch umsetzen können. Die Kinder sollen dabei eigene Gestaltungs- und Ausdruckswege entdecken und somit auch Beweglichkeit im Denken und Handeln erfahren.

 

So machen wir es im Waldkindergarten:

 

  • malen mit verschiedenen Farben (Wasserfarben, Erdfarben, Buntstifte,...) 
  • basteln mit Naturmaterial
  • Naturhandwerk (schnitzen, sägen, bohren...)
  • Gestalten mit Lehm, Ton, Pappmache

 

Musikalische Bildung und Erziehung

Die Kinder sollen Freude am gemeinsamen Singen und Musizieren entwickeln. Sie lernen elementare (Orff-) Instrumente und musikalische Traditionen kennen.

 

So machen wir es im Waldkindergarten:

 

  • tägliches Singen (Lieder aus verschiedenen Kulturkreisen)
  • Singspiele und Tänze
  • Musik in der Natur (Holzxylophon, verschiedene Holzarten und ihre Klänge, Holzröhrenpfeifen, Steinklänge,...)
  • Lieder und Geschichten werden in Töne und Klänge umgesetzt

 

Bewegungserziehung und -Förderung, Sport

Bewegung ist für das Lernen absolut notwendig. Die Kinder sollen Freude daran haben, sich zu bewegen und zunehmende Sicherheit in ihrer Körperbeherrschung erlangen. Im Waldkindergarten entwickeln die Kinder motorische, koordinierende und konditionelle Fähigkeiten und Fertigkeiten.

 

So machen wir es im Waldkindergarten:

 

  • täglich (!) ausreichender Bewegungsfreiraum
  • Bewegungsspiele
  • angeleitete Bewegungsangebote

Weitere Ausführungen zu diesem Punkt finden Sie im Kapitel „Schwerpunkte unserer pädagogischen Arbeit".

 

Gesundheitserziehung:

Den Kindern soll Wissen für ein gesundheitsbewusstes Leben und gesundheitsförderndes Verhalten vermittelt werden. Sie erfahren, wie wichtig eine gesunde ausgewogene Ernährung oder ausreichend Ruhe und Entspannung für ihr Wohlbefinden ist. Zur Vermeidung von Krankheiten erwerben die Kinder Kenntnisse über Körperhygiene und Pflegemaßnahmen.

 

So machen wir es im Waldkindergarten:

 

  • Aufenthalt in der Natur bei Wind und Wetter
  • Händewaschen vor der Brotzeit/nach dem Toilettengang
  • Zubereitung gesunder Speisen und gemeinsames Essen
  • Herstellung von Naturarzneien (Tee, Öle, Hustensirup,...)
  • Stille und Ruhe im Wald erfahren, Meditationen, Traumgeschichten

 

 

7.3. Kindbeteiligung

Kinder haben das Recht, an allen sie betreffenden Entscheidungen entsprechend ihrem Entwicklungsstand beteiligt zu werden. Diesen Grundsatz verfolgen wir auch im Waldkindergarten. Die Beteiligung der Kinder geschieht durch Mitbestimmung und Mitgestaltung im ergebnisoffenen Dialog. Dies basiert auf einem partnerschaftlichen Umgang mit den Kindern, der ihnen Eigenverantwortung ermöglicht. Im Kindergartenalltag gestalten die Kinder aktiv den Morgenkreis mit. Sie gestalten die äußere Form und den Ablauf, beispielsweise eines der Kinder zählt die anderen Kinder.

Im freien Spiel sind die Kinder die Spielgeber. Sie entscheiden über die Art des Spieles und das verwendete Material. Im Konflikt mit anderen Kindern wenden sich diese häufig an die Erzieherinnen. Im Gespräch werden den Kindern aber keine Lösungen aufgezwungen, vielmehr wird hier Handlungsspielraum ermöglicht, mit dem jeweils anderen Kind eine demokratische Lösung oder einen für beide Seiten annehmbaren Kompromiss zu schließen.

 

 

8. Tagesablauf: Wie und Warum? Tagesablauf aus Kindermund:

 

Bringzeit/Gang in den Wald

Am Montag geht der Waldkindergarten los. Der Tag im Waldkindergarten beginnt schön. Am Anfang kennen die Kinder noch gar nicht die Regeln.“

Erläuterung:

Nachdem bis Viertel nach acht Uhr alle angekommen sind, machen wir uns auf den Weg. Im Laufe des Kindergartenjahres erweitern wir unseren Aktionsradi- us. Es gibt verschiedene Zielpunkte, die wir je nach Spielanreizen und äußeren Umständen wie Witterung oder jahreszeitlichem Geschehen wählen können. Die Kinder laufen also nicht wild durch den Wald, sondern können sich schon auf ihren vertrauten Spielraum freuen. Unser Tagesablauf ist rhythmisiert. Dies gibt den Kindern Sicherheit und Vertrauen.

 

Morgenkreis

Zuerst gehen wir in den Wald, dann machen wir den Morgenkreis. Im Morgenkreis stehen unsere Füße still. Wir haben eine Kerze. Ein Kind darf die Kerze hinstellen. Einer zählt die Kinder, weil wir wissen müssen, wie viele Kinder da sind, damit man weiß, ob alle Kinder da sind, oder welche fehlen.

Im Morgenkreis lernen wir Lieder singen. Im Morgenkreis da tut man singen, das Morgenlied: Aber grüaß di.“

Erläuterung:

Der Tag im Wald beginnt an einem geschützten Platz mit dem Morgenkreis. Hier begrüßen wir uns mit einem Lied, stellen fest, ob und wer heute fehlt, spielen ein Finger- oder Kreisspiel und besprechen die Regeln (Es gibt wenige, aber prägnante und logische Regeln. Die Kinder erkennen, dass die Einhaltung für ihre Sicherheit wichtig ist). Im Morgenkreis haben die Kinder auch Gelegenheit, über Ereignisse und Dinge zu berichten, die sie gerade beschäftigen. Wir besprechen den Tagesablauf, bestimmen unser Ziel und machen uns dann auf den Weg in den Wald.

 

Brotzeit

Da geht man zum Brotzeitplatz. Dann isst man. Vorher tut man Händewaschen mit Wasser, weil die Hände sind so dreckig vom Wald. Wir haben eine Lavaerde, weil im Wald kann man keine Seife brauchen. Zuerst warten wir, bis alle mit Händewaschen fertig sind.

Wenn alle da sind, singen wir das Brotzeitlied. Am Liebsten mag ich den Bär. Wir haben Isomatten dabei und einen Rucksack mit der Brotzeit drin. Wir setzen uns auf die Isomatten im Wald bei gleichen Plätzen. Im Rucksack ist die Brotzeit drin und der Becher und wenn man den Becher auspackt, kriegt man Tee rein.

Erläuterung:

Vor dem Essen werden die Kinder ruhig und lauschen auf die Töne des Waldes. Wir warten bis alle sitzen und die Brotzeit ausgepackt haben. Dann machen wir ein Fingerspiel oder singen ein Brotzeitlied, danach beginnen wir gemeinsam zu essen. Uns ist eine gemeinsam eingenommene Mahlzeit wichtig. In dieser gemütlichen Runde ist Platz für leichte Gespräche und wir achten auf die Einhaltung von Tischmanieren. Auch im Waldkindergarten wird Wert auf Hygiene gelegt. Ihre „kleinen und großen Geschäfte“ erledigen die Kinder mit unserer Hilfe abseits der Spielplätze. Die Fäkalien werden tief vergraben, um Geruchsbelästigung und gesundheitliche Gefährdung für uns und die Waldtiere zu vermeiden. Die Verrottung erfolgt durch die vielen Mikroorganismen im Waldboden sehr schnell.

 

Freispiel

Ich kann schon auf die Riesenwurzel klettern. Am liebsten tue ich Baumklettern. Die Erzieherinnen passen auf, dass keiner die Kinder schubst. Am besten gefällt mir die Kletterwurzel. Am liebsten spiele ich Räuber und Pirat. Wir haben Stöcke im Wald, mit denen kann man spielen und mit nach Hause nehmen. Im Waldkindergarten lernt man rennen. Die Monika und Sibylle basteln mit uns. Am liebsten spiele ich Zug.“

Erläuterung:

In der Freispielzeit kann sich jedes Kind eine Beschäftigung nach seinen aktuellen Bedürfnissen suchen. Es entscheidet, mit wem und was es spielen will. Für uns ist diese Zeit eine Gelegenheit, die Kinder intensiv zu beobachten. Auf diesen Beobachtungen aufbauend leitet sich unser pädagogisches Vorgehen für das Individuum und die Gruppe ab. Wir greifen Themen, Probleme und Interessen auf, um diese mit den Kindern in gezielten Förderungen zu bearbeiten. Wo es uns notwendig erscheint, geben wir Spielimpulse oder unterstützen die Kinder auf ihrem Weg zu einer selbstverantwortlichen Konfliktlösung. Die gezielte Beobachtung der Kinder ist zudem eine wichtige Grundlage für Entwicklungsgespräche mit den Eltern.

 

Pädagogische Angebote

Dann gehen wir zum Bauwagen, da basteln wir was. Manchmal basteln wir im Bauwagen und schon mal im Wald.“

Erläuterung:

Auch bei uns im Wald bieten wir eine Vielfalt an gezielten Beschäftigungen an. Für einen gewissen Zeitraum beschäftigen wir uns mit einem bestimmten Thema, welches sich an den Interessen und an der Situation der Kinder orientiert. Ausgehend von diesem Rahmenthema werden die Kinder in jedem Bildungsbereich gefördert.

 

Rückweg/Abschlusskreis

Im Abschlusskreis sind wir still. Dann kommt einer dran mit der Kerze, dann stell ich sie in die Mitte. Dann singen wir was. Mir gefällt am besten: Alle Leut....
Mir gefällt im Waldkindergarten alles.

Erläuterung:

Beim Rückweg/Abschlusskreis wird am gleichen Ort wie beim Morgenkreis ein deutlicher Schlusspunkt gesetzt. Der Tag wird von den Kindern kurz reflektiert oder die Gruppe macht eine Konzentrationsübung, in der die Umgebung oder die eigene Befindlichkeit intensiv wahrgenommen werden kann. Am Bauwagen verabschiedet sich jedes Kind persönlich von den Betreuern.

 

 

9. Schwerpunkte unserer pädagogischen Arbeit

 

9.1 Bewegung

Der angeborene Bewegungsdrang von Kindern ist unübersehbar. Im Wald haben die Kinder die Möglichkeit, dieses Bedürfnis nach Bewegung ungehindert auszuleben. Das abwechslungsreiche Gelände bietet Gelegenheit zum Laufen, Springen, Klettern, Balancieren, Kriechen, Hangeln, Rutschen ... Ein steil abfallender Hang, im Weg liegende Äste, umgestürzte Bäume, ein unebener Waldboden stellen für die Kinder Herausforderungen dar. Durch die ständige Auseinandersetzung mit dem Gelände schulen die Kinder ihre grobmotorischen Fähigkeiten, die eine wichtige Vorraussetzung für die Entwicklung feinmotorischer Fertigkeiten sind, wie sie z.B. beim Malen und Schreiben lernen benötigt werden.

Wenn Kinder sich bewegen, wird der gesamte Bewegungsapparat gestärkt, die Muskulatur entwickelt und ihre Kondition verbessert. Den heute weit verbreiteten Haltungsschäden kann so wirksam vorgebeugt werden. Bewegung stärkt auch das Selbstwertgefühl und ist zugleich ein wirksames Mittel, um Stress und Aggressionen abzubauen bzw. erst gar nicht entstehen zu lassen.
Spielerisches Sich-bewegen ist für die Persönlichkeitsentwicklung unerlässlich. Das Bild von der eigenen Persönlichkeit entwickelt sich vorwiegend über die Körpererfahrung. Die Wahrnehmung des eigenen Körpers ist wiederum Grundlage für räumliches Denken, Vorstellungsvermögen, Rechnen, Schreiben... Hier wird außerdem sichtbar, wie eng die Verknüpfung von körperlicher Bewegung und geistigem Lernen ist.
Mit unserer eigenen Bewegung erschließen wir uns die Welt. Sitzend vor dem Fernsehapparat oder durch das Fenster eines fahrenden Autos können wir die Welt nicht begreifen, nicht erleben. Wer aber über eine Wiese oder durch den Wald läuft, einen schneebedeckten Hang hinunterrutscht, in der Erde wühlt, bei Regen, Nebel oder Sonnenschein durch die Natur wandert, erfährt die Welt jedes Mal anders!

 

9. 2. Naturerfahrung und Umwelterziehung

Der Natur wird in all ihren Facetten unmittelbar begegnet. Dies eröffnet den Kindern eine Vielzahl von spürbaren Erfahrungen, durch die sie in ihrer körperlichen wie seelischen Entwicklung Tag für Tag gefordert werden und reifen können.
Schon bei der Ankunft im Waldkindergarten wirken vielfältige Sinneseindrücke auf die Kinder, Eltern und die ErzieherInnen ein. Die Morgensonne tritt über die Baumwipfel. Manchmal fast überwältigend erlebt man die frische Luft. Sie ist herrlich klar. Jede Veränderung zum vorhergegangenen Tag wird registriert.

Wenn es geregnet hat, ist die große Pfütze ein unwiderstehlicher Spielplatz für die Kinder, sobald sie Regenjacke und Gummistiefel angelegt haben. Jetzt heißt es nicht mehr Dreck, sondern Erde.
Alles darf man anschauen und bestaunen, so weit möglich auch anfassen und erfühlen. Diese unmittelbare Begegnung lässt die Kinder Vertrauen zur Natur fassen und ihren möglichen bedrohlichen Charakter verlieren. Somit wird sie nicht zu einem feindseligen Raum, sondern zu einer schützenswerten Lebenswelt. Die Begegnung mit dem Wald wird für die Kinder eine Wahrnehmungs- und Orientierungsschule. Auf dem täglichen Gang durch den Wald erkennen sie dieselben Bäume wieder und sehen an ihnen zugleich Veränderungen. Im Laufe der Zeit treten Tierspuren immer deutlicher als Lebenszeichen des Waldes hervor.

Die Kinder erleben den Rhythmus der Jahreszeiten, jede mit ihren Farben, Blüten, Früchten und Düften. Der Waldkindergarten will das Bewusstsein der Kinder wecken, dass die Natur und auch wir selber nur im Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen existieren können. Die Natur kann als Leben spendend, sogar als nährend wahrgenommen werden. Am Beispiel des Holunders erfahren die Kinder, dass man nicht alle Blüten für den Tee pflücken darf, sonst gibt es keine Beeren im Herbst, um leckere Marmelade daraus zu kochen. Auch den Vögeln sollen sie noch als Nahrung dienen. Dadurch erschließen sich erste grundlegende Zusammenhänge und es wächst das Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit der Natur. Das Leben mit dem Kreislauf der Natur fordert die Anpassungsfähigkeit der Kinder heraus. Z. B. zwitschern die Vögel plötzlich morgens nicht mehr und den Kindern wird bewusst, dass sie weggezogen sind. Oder der lieb gewonnene Kletterbaum wird eines Tages von den Waldarbeitern entfernt, weil er zu brüchig geworden ist. Die Kinder entdecken ein totes Tier und fragen: „Warum passiert so etwas?“ Sie müssen Abschied nehmen lernen, was mit Traurigkeit und Enttäuschung verbunden ist. Sie können aber auch erleben, dass etwas Neues beginnt und dies zum Kreislauf des Lebens gehört. Durch diese elementaren Lebensprozesse gewinnen die Kinder an seelischer Stärke und innerer Gelassenheit.

Waldkindergarten ist auch Umweltbildung. Dem zunehmenden Forscherdrang im Vorschulalter kann im Wald ausgiebig Raum gegeben werden. Erste biologische Zusammenhänge werden kindgerecht erklärt und veranschaulicht.
Häufig wird im Zusammenhang mit dem Waldkindergarten die Frage gestellt: „Was? - Ihr geht wirklich bei jedem Wetter raus?“ Im Allgemeinen ist unser Leben nicht immer eitel Sonnenschein. Wie die Waldkinder können wir lernen, uns mit den Gegebenheiten zu arrangieren, mit Widrigkeiten umzugehen und daraus sogar glückliche Erfahrungen zu machen. Eine solche Lebenseinstellung kann zur positiven Kraft für unser zukünftiges Handeln werden.

 

9. 3. Soziales Lernen/Sprache

Gerade im Waldkindergarten stecken eine Vielzahl an Möglichkeiten, unsere Kinder in sozialer Hinsicht zu fördern.
Da die Kinder bei uns auf kein vorgefertigtes Spielzeug treffen, treten sie vermehrt zueinander in Kontakt. Sie müssen ihre Spielmaterialien und Spielplätze selbst gestalten. Dazu erklären sie sich ihre Ideen und Intentionen. Haben sie dann mit eigenen Mitteln gemeinsam etwas erreicht, so empfinden sie innere Befriedigung.

Durch die gegenseitige Ergänzung mit unterschiedlichen persönlichen Qualitäten entsteht ein starker Gruppenzusammenhalt.
Durch die räumlichen Gegebenheiten im Wald suchen die Kinder gegenseitige Nähe und Unterstützung. Viele Handlungen sind nur zu mehreren möglich, wie z.B. schwere Baumstämme zu transportieren.

Weil die Waldkinder sehr viel miteinander kommunizieren, wird die Sprachentwicklung und sprachliche Ausdrucksfähigkeit geschult. Das ist vor allem in Zeiten sprachlicher Verarmung sehr wertvoll. Die Kinder lernen ihre Gefühle und Gedanken verbal auszudrücken. Dies fördert Konfliktlösungsverhalten positiv.

Weder die schon fast uniforme Kleidung noch die Spielräume im Wald lassen eine eindeutige geschlechtertypische Einordnung zu. Dies trägt somit einen großen Teil dazu bei, Rollenmuster abzubauen. Unsere Erfahrung zeigt, dass die Kinder zwar rollentypisch agieren, aber lange nicht in dem Maß, wie es sonst zu beobachten ist. Aufgrund unserer geringeren Gruppengröße ist die Gruppe im Vergleich zum Regelkindergarten besser überschaubar. Die Kinder können leichter miteinander in Kontakt treten und jedes einzelne erhält viel Aufmerksamkeit von Kindern und Betreuern.

Die ausgeprägte Förderung der Kommunikation und Konfliktbewältigung im Waldkindergarten, die elementare geistige und seelische Bodenhaftung durch das Umfeld Natur, wie auch das Fehlen von vorgefertigten Spielzeug stellen einen wesentlichen Beitrag zur Suchtprävention dar.

 

9.4. Naturhandwerk

Das Naturhandwerk hat im Waldkindergarten einen hohen Stellenwert und wird tagtäglich von den Kindern ausgeführt. Dazu zählt das Schnitzen mit kindgerechten Schnitzmessern: Die Kinder benutzen scharfe Messer mit abgerundeten Spitzen, welche zusätzlich mit einer Arretierung versehen sind. Weiterhin stehen den Kindern kleine Puksägen im Freispiel zur Verfügung.

Beim Umgang mit dem Werkzeug gibt es bestimmte Regeln, die den Kindern beigebracht werden und an welche sie sich auch halten müssen, um ihr körperliches Wohl zu schützen.

 

9. 5. Pädagogischer Schwerpunkt der Spielgruppen

Die Waldspielgruppen treffen sich im Gegensatz zur Kindergartengruppe nur zweimal in der Woche. Aus diesem Grund und weil die Kinder in der Regel jünger sind als in der Fünftagesgruppe, gibt es für die Spielgruppen anders gelagerte pädagogische Schwerpunkte.

Zum einen ist es für die Kinder erst einmal wichtig, sich mit diesem großen Lebensraum Wald vertraut zu machen, ihn zu erfahren und kennen zu lernen. Die geschieht in erster Linie über die sinnliche Wahrnehmung (beobachten, riechen, fühlen, tasten, hören...) der Kinder z. B. im freien Spiel, beim Gang durch den Wald usw.

Über einen langen Zeitraum lernen die Spielgruppenkinder, sich ohne Spielsachen im Wald zu beschäftigen und entwickeln Phantasie und Kreativität im Umgang mit der Natur (agieren statt konsumieren).
Das Schema des Tagesablaufes (Morgenkreis, Waldgang, Brotzeit, Freispiel, Rückweg, Schlusskreis) bleibt dabei in der Regel konstant und gibt den Kindern ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit.

Zum anderen haben Kind und auch Eltern die Möglichkeit, sich ein Stück weit voneinander zu lösen. Die Kinder gewöhnen sich an die größere Gruppe, lernen sich einzufügen und knüpfen erste Kontakte, aus denen später feste Freundschaften entstehen können.

Damit den Kindern genügend Zeit bleibt für ihren großen Bewegungsdrang und die Entwicklung der oben genannten Fähigkeiten, werden Bastelangebote usw. dosiert und gezielt zu bestimmten Zeiten angeboten. Ein ganzes Jahr (manchmal auch 2 Jahre) dürfen die Kinder in der Waldspielgruppe den Lauf der Natur, die verschiedenen Jahreszeiten „hautnah“ miterleben.

 

 

10. Elternarbeit

Um unsere Arbeit für alle Beteiligten transparent zu machen, legen wir viel Wert auf eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern. In der Zusammenarbeit mit den Eltern erhalten wir Einblicke in die Familien, die es uns erleichtern, die Kinder zu verstehen und sich in sie einzufühlen. Dadurch gewinnen auch die Kinder ein großes Maß an Vertrauen und Sicherheit. Wenn Eltern und Erzieher sich einig sind, kann Erziehung gelingen.

Wir wollen jedoch die Eltern nicht aus der Verantwortung nehmen, denn Erziehung im Kindergarten versteht sich immer ergänzend, unterstützend zum Elternhaus.

 

  • Informationen für die Eltern hängen im Bauwagen aus
  • Möglichkeit für Tür- und Angelgespräche während der Bring- und Holzeit 
  • wir führen einmal im Jahr ein ausführliches Entwicklungsgespräch, sowie ein weiteres etwas kürzer gefasstes Gespräch (Terminabsprache für ein Ge-spräch nach Bedarf ist jederzeit möglich)
  • Eltern haben die Möglichkeit, nach Absprache, im Kindergarten zu hospitieren, um so ihr Kind in der Gruppe zu erleben.
  • alle 2 – 3 Monate findet ein Elternabend zu einem bestimmten Thema statt

 

(verpflichtend für alle Eltern)

  • einmal im Jahr führen wir eine schriftliche Elternbefragung durch, in der alle Eltern ihre Wünsche und Meinungen zum Thema Kindergarten äußern können
  • übers Jahr verteilt finden verschiedene Feste und Aktionen für Familien statt

(z. B. Maifest, Tag der offenen Tür, ...)

 

 

 

11. Schulvorbereitung

Die Voraussetzungen für die Schulreife wie etwa differenzierte Wahrnehmung werden durch die besonders intensive Sinnesschulung erreicht. Sprachliche Ausdrucksfähigkeit wird im Waldkindergarten auch wegen der Spielzeugfreiheit täglich geübt. Die Kinder werden zu einem eigenverantwortlichen Umgang mit ihren persönlichen Gegenständen wie Rucksäcken und Kleidung angeregt. Sie müssen sich an Regeln halten und erlernen dabei Achtsamkeit, Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme. Bei gezielten Beschäftigungen im Tagesablauf werden immer auch Ausdauer und Konzentration gefördert. Durch die Farbenpracht und Formenvielfalt der Natur können die Waldkinder an lebendigen Beispielen lernen. Das Erfassen von Mengen, die Zuordnung von Gegenständen und Abläufen können sehr anschaulich und ganzheitlich vermittelt werden. Durch die tägliche Bewegung werden Kondition und Körperbeherrschung besonders geschult.

 

Wissenschaftliche Erkenntnisse

In der Dissertation von Peter Häfner wird das Verhalten von Wald- und Regelkindergartenkindern im ersten Schuljahr verglichen.
Waldkindergartenkinder zeigen zur Vergleichsgruppe bessere Ergebnisse im Bereich Motivation, Ausdauer und Konzentration.

Sie arbeiten im Unterricht besser mit, sie sind selbständiger und interessierter, können sich besser konzentrieren und halten auch bei schwierigen Aufgaben länger durch.
Sie können besser stillsitzen als die Vergleichsgruppe!

Sozialverhalten

Die Waldkindergartenkinder sind im Kontakt mit anderen erfahrener und begegnen Konflikten lösungsorientierter, konstruktiver und produktiver. Sie nehmen mehr Rücksicht, sind toleranter und kooperieren stärker mit anderen Kindern.

Musischer Bereich

Die Waldkindergartenkinder sind bedeutend kreativer und phantasievoller. Auffallend war auch, dass vor allem Mädchen vom Waldkindergarten profitieren. Sie zeigten durchgehend hervorragende Ergebnisse.

Ausgehend von dieser Doktorarbeit bemühen wir uns, leichte Defizite die Kinder aus Waldkindergärten zeigen, auszugleichen und diese Bereiche verstärkt in unsere Arbeit mit einzubeziehen:

 

  • Unterscheidung von Farben, Größen und Formen: Bereitstellung und Arbeit mit Montessori- und Vorschulmaterial
  • Feinmotorik, Finger- und Handgeschicklichkeit

 

 

 

12. Zusammenarbeit mit der Grundschule

In der Regel freuen sich die „Großen“ auf die Schule. Dennoch kann der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule ein Lebensabschnitt sein, der bei den Kindern sowie deren Eltern Unsicherheit und Ängste hervorruft. Um Eltern und Kindern bei der Bewältigung von Übergängen behilflich zu sein und sie zu unterstützen, streben wir eine wirkungsvolle Zusammenarbeit mit den verschiedenen Grundschulen in Traunstein an:

 

  • regelmäßige Infobriefe an die Schulen, in deren Schulsprengel die Kinder wohnen
  • Einladung der Grundschullehrer in den Waldkindergarten zum gegenseitigen Informationsaustausch
  • wenn möglich, Begleitung der Vorschulkinder bei einem Besuch in der jeweiligen Schule

 

 

 

13. Gefahrenquellen im Wald

Natürlich gibt es auch Risiken im Wald. Diese können mit Vorsichtsmaßnahmen und festen Regeln für die gesamte Gruppe weitgehend ausgeschlossen werden.

 

Tollwut

Die Kinder sind über die klassischen Erscheinungsformen der Tollwuterkrankung bei Tieren aufgeklärt. Es gilt die Regel, dass keine Tiere mit Fell und Federn angefasst werden dürfen.

 

Aggressive Tiere

Normalerweise sind die Waldtiere sehr scheu. Im Frühling meiden wir die Nähe zu Fuchs- und Dachsbauten, um den Nachwuchs nicht zu stören.

 

Zecken

Zecken sind nur wenige Millimeter große Spinnentiere, die sich in die Haut bohren und dort Blut saugen. Dabei können sie Borreliose oder FSME (eine Art Hirnhautent- zündung) übertragen.
Maßnahmen zur Vermeidung von Zeckenkrankheiten:

 

  • langärmlige, den ganzen Körper bedeckende Kleidung anziehen (auch im Som- mer)
  • Kopfbedeckung und feste Schuhe tragen
  • eincremen unbedeckter Hautstellen mit einer schützenden Lotion
  • möglichst frühes und gründliches Absuchen des Körpers nach einem Aufenthalt im Wald

 

Wespen

Die Kinder nehmen nichts Süßes in den Wald mit. Die Erzieherinnen kontrollieren im Sommer die bevorzugten Spielplätze auf Wespennester in der Erde.

 

 

Kleiner Fuchsbandwurm

Füchse können mit dem Fuchsbandwurm infiziert sein. Der Bandwurm schmarotzt im Darm des Fuchses und gibt von Zeit zu Zeit reife Eier ab, die mit dem Kot ausgeschieden werden. Bandwurmeier sind sehr klein und mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen, sie können auf dem Boden aber auch auf Pflanzenteilen sitzen. Gelangen diese in den menschlichen Körper, so können sie langfristig die Leber zerstören. Vorsichtsmaßnahmen zur Vermeidung einer Fuchsbandwurminfektion:

 

  • Es dürfen keine Früchte oder Beeren aus dem Wald gegessen werden - diese Regel wird täglich mit den Kindern wiederholt.
  • Vor jedem Essen werden die Hände mit Wasser und Lavaerde (evtl. Nagelbürste) gereinigt. Nach einem Aufenthalt im Wald werden die Hände gründlich gewaschen.

 

 

Giftpflanzen

Es dürfen keine Pflanzen, Pilze, Beeren, Früchte usw. aus dem Wald in den Mund gesteckt bzw. gegessen werden. Diese Regel wird täglich im Morgenkreis wiederholt.

 

Gefahr durch Witterung

Bei stärkerem Wind kann es zum Abbrechen und Herunterfallen von abgestorbenen Ästen kommen, insbesondere in der Zeit nach einem Holzeinschlag oder nach Unwettern.
Zu Schnee- und Eisbruch kommt es bei so genannten Nassschneelagen. Sehr selten besteht Gefahr durch ein Gewitter.

Schutzmaßnahmen:

  • Die Unterkunft (Bauwagen) ist von der jeweiligen Route im Wald gut und schnell erreichbar.
  • Der Wald wird bei gefährlicher Witterung (z.B. Sturm) verlassen und der Ausweichraum des Waldkindergartens aufgesucht.
  • Mit dem Forstamt besteht Absprache und Informationsaustausch.

 

Verletzungsgefahr

Nach den Erfahrungen, die in Waldkindergärten gemacht wurden, ist die Unfallhäufigkeit im Wald nicht höher als in jedem anderen Kindergarten. Es konnte sogar festgestellt werden, dass die Kinder komplexe Bewegungsanforderungen beherrschen und Gefahren schon bald richtig einschätzen.

Die Einhaltung fester Regeln hilft, Unfälle zu vermeiden:

  • sich nur in Sicht- und Rufweite des Betreuungspersonen aufhalten,
  • nicht mit Stöcken laufen,
  • mit Stöcken und Steinen vorsichtig und rücksichtsvoll umgehen.

 

 

 

14. Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen

Der Waldkindergarten ist ein Teil des pädagogischen Angebots im Landkreis Traunstein. Die Vernetzung mit Ämtern, Förderstellen, anderen Kindergärten und Bildungsstätten ist uns ein wichtiges Anliegen. Vielfältige Kontakte wurden geknüpft und werden weiter ausgebaut. Hier möchten wir Ihnen auszugsweise Kooperationspartner mit den jeweiligen gemeinsamen Zielsetzungen vorstellen:

 

Jugendamt

  • wichtige Anlaufstelle für Fragen und Vorgaben zum Kindergartengesetz
  • Nutzung von Fortbildungen in diesem Bereich

 

Forstamt der Stadt Traunstein

  • Umweltbildung mit Stadtförster Hr. Fischer
  • Informationsaustausch zu unserem Waldgebiet

 

Frühförderung und Sozialpädiatrisches Zentrum Traunstein

  • Gemeinsame Betreuung von einzelnen Kindern und Austausch über jeweilige Förderpläne

 

Waldkindergärten in den Landkreisen Traunstein, Rosenheim und Altötting

  • Bearbeitung von Themen der Waldpädagogik
  • Kooperation bei einem gemeinsamen Fortbildungsangebot für Multiplikatoren in der Kindergartenarbeit

 

Nutzung des Winterraumes

  • Kindertagesstätte „Die Murmel“ Traunstein
  • Musikschule Traunstein

 

Fachschule für Kinderpflege in Traunstein

  • Ausbildung von Kinderpflegepraktikant/innen

 

Fachakademien für Sozialpädagogik (München, Mühldorf, Traunstein)

  • Anleitung von Erzieherpraktikant/innen
  • Anleitung von Praktikant/innen in verschiedenen Praktika
  • Anleitung von Berufspraktikant/innen im Anerkennungsjahr

 

Landesverband der bayrischen Wald- und Naturkindergärten

  • Unterstützung der Waldkindergärten im politischen Bereich
  • Anlaufstelle für spezifische Fragen zur Waldpädagogik/Waldkindergarten
  • Fortbildungen
  • Bayerische Waldkindergartentagung

 

 

 

 

15. Veranstaltungen - Sie sind herzlich eingeladen!

Waldkindergarten - Was ist denn das? Obwohl der Waldkindergarten Traunstein jetzt schon einige Zeit besteht und öffentlichkeitswirksame Aktionen veranstaltet hat, ist der Informationsbedarf in der Öffentlichkeit nach wie vor groß. Bei Gesprächen zeigt sich immer wieder das Interesse an diesem Angebot, das eine tatsächliche Alternative zu herkömmlichen Kindergärten bietet. Wir engagieren uns:

 

  • Kinderaktionen, Ausstellung und Information im Bauwagen auf dem Traunsteiner Stadtfest.
  • Vorträge und Aktionen in der Öffentlichkeit
  • öffentliche Veranstaltungen und Feste, z.B. Tag der offenen Tür und Waldführung
  • für Familien
  • Verkaufsstände bei Kindergartenfesten und Adventsmarkt

 

Im Rahmen von Hospitationen besteht darüber hinaus für interessierte Eltern oder Pädagogen tageweise die Möglichkeit, den Waldkindergarten kennen zu lernen. Dazu ist eine vorherige Anmeldung unter Tel. 0160 / 125 15 79 (Kindergartengruppe) oder 08641 / 2604 nötig.

 

Abschließen danken wir dem Vorstand, Erzieherinnen, Eltern und nicht zuletzt den Kindern.

 

Glaube mir, denn ich habe es erfahren, du wirst mehr in den Wäldern finden als in den Büchern; Bäume und Steine werden dich lehren, was du von keinem Lehrmeister hörst:“

Bernhard von Clairvaux